歌德学院“字谜”2012徳译中:1978
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1978‚总算……‛他的妹妹一边不停地重复着这句话,一边将他拥入怀中。
车站的客流就像河水冲刷石头,从他们四周流过。
他的脸颊可以感到露特温润的嘴唇。
广播响起,火车车厢的门再次关闭,哈特穆特想要提起他的行李,露特的手臂却仍然挂在他的脖子上。
就如之前的分离一般,那时的他却是要登上开往法兰克福的火车,而不是从那上面下来。
如今他的妹妹自然是不会哭了,她容光焕发,剪短了头发的样子就如哈特穆特之前在相片上看过的一般,却依旧让他感到惊讶。
‚总算。
‛露特说了最后一遍,然后用手勾住了哈特穆特的肩膀。
他们有些尴尬,好像一对舞伴在没有音乐的情况下扭腰摆臀一般可笑。
虽说露特的圆脸还是以前那般胖乎乎的,她却早已不是哈特穆特记忆中那片用以衬托他人的小绿叶了。
如今的她洋溢着十足的快乐,就好像洗涤剂广告中的女主角,却比她们更为真实。
‚你长白头发了。
‛露特用食指来回点点他两边的鬓角。
我们哲学家嘛……这本该是他招牌式的回答——从前他是会这样说的,如今却哽在喉里,哈特穆特只好耸肩笑笑。
他体内的神经快意地战栗着,这种感觉散漫开来,就如同在众目睽睽之下发白日梦,在过去的7个小时中他就是这样梦着望出车窗的:仿佛看到了一个时常隐形,只能在天际线处低矮的民居中凝聚成形的德意志民主共和国。
站台上,他们的周围已经没有人了。
他想说:边境上一切都好。
可露特却并没有向他询问,而是挽着他的手臂把他向前拖着走。
‚快!我把车停在禁停区域了。
我又来晚了。
‛露特情绪挺好,拖着他下了一层楼然后又向上走,到了散发着小便气味的火车站大厅。
几只鸽子悠闲地落在出入口上方的铁栅栏上。
‚就在我快要出发的时候,弗洛里安需要一块创可贴。
他俩之中只要有一个得到了创可贴,另一个马上就也想要一块。
‛‚他们两个有想法么?关于我的?‛‚想法多着呢,你可要当心了。
他们超级兴奋的。
多少次了让你寄照片来你都不寄,反正他们想要一个黑头发的舅舅。
说吧,什么时候开始的?‛妙龄女郎露特站在人行道的边沿,身后是出租汽车站,她曼妙的身姿让几个闷闷不乐的汽车司机心情激荡。
放眼望去,高速公共路上架起的一座桥梁遮挡住了城市的风光,很不美观,在哈特穆特的记忆中它还是一个竖着脚手架的建筑工地。
马路笔直地向他冲来然后继续延伸,马尔堡火车站就在那90度的转弯处,载着上班族们去往郊外。
所有的事物看上去熟悉而又新鲜,可是露特却不理会他饱含回忆的观察,而是把她的座椅向前调了调,然后满意地点点头,这时哈特穆特正艰难地将他唯一的一件行李抬进后备箱。
在他所熟知的那个阿瑙(das Arnau),露特穿的短裙会被看作是件伤风败俗的奇装异服,年轻的妈妈应该引以为戒。
除此之外她还穿了双不大惹眼的低帮鞋和一件红色宽领衬衫。
她的胸脯变大了,可她的所作所为却好似不晓得自己的变化会使哈特穆特有多么震惊一样。
不过对于放在方向盘后面的那架巨大的太阳镜,露特认为,自己有必要发表一番讽刺性的评论。
‚海因纳尔说我戴着这个就跟只苍蝇似的。
你觉着呢?‛她并没有期待任何回答,只是用力地换挡,驾车挤进了火车站大街上的车流,然后向城外开去。
哈特穆特坦白说,自己不曾为她的儿子们带来什么礼物,露特没有说话,只是点了点头。
温暖的风经由敞开的车窗吹拂进来,在露特加速时,一种奇特的感觉侵袭着哈特穆特,就如同卷入了一个漏斗状的漩涡里面。
仿佛这五年之久不过是恍然一梦,那木屋的架构依旧坚实,并且,随着汽车驶过,景物铺展成为了家家户户门前精心打造的花圃、猎户篱笆(注:m, Jägerzaun一种菱形格眼状的木质园艺用栅栏)还有教堂如画的尖塔的大集合。
联邦公路沿着拉恩河的右岸隐入了阳光灿烂的田野与丘陵之间,好似穿越过一幅乡村田园风光的彩印画。
他只用一眼就认出了这些风景,却并没有自己想象中的那般厌恶。
‚哈特穆特沉默了。
‛露特说。
‚有一种奇怪的感觉,过这么多年了。
‛他向外伸直了胳膊,用手心感受着吹过来的风。
‚你就没想过离开这里?‛‚我们买了栋房子。
海因纳尔在这里工作。
‛‚哦。
原来如此。
‛‚有一段时间原本考虑出国的,去一所德国学校。
不过后来有了这个提供房子的职位,自那以后……‛露特耸了耸肩,‚这也挺好的,有一所自己的房子。
就连之前我们临时住在建筑工地里也很高兴。
‛‚理解。
‛‚我还有哪能跟你比啊,那么愤世嫉俗的。
‛路旁的一家冰咖啡店生意兴隆,一辆辆婴儿车和自行车停在彩色遮阳伞阵的外围。
这家店名叫‚里亚尔托(Rialto)‛。
显然,这里不再只住着本地人了。
那些卫道士,哈特穆特这样想着,几声孩童的嬉笑随着汽车驶过钻入他的耳中。
在美国的这些年里,他的那些卫道士们究竟过得如何呢?‚那你呢?‛露特问道,‚没想家么?‛‚怎么个想家法?‛‚顾名思义啊。
‛她在说下一句话之前先仔细地看了他一眼,好像要在他脸上瞧出朵花来一样,‚可告诉你,我才不像咱爸妈,会相信你一整天就只在教室和图书馆里待着。
说吧,她叫什么?‛哈特穆特下意识地把头转向右边,那里,森林的边缘就如一条启动了的绿色传送带,掠过他的眼底。
‚桑德琳。
‛‚听起来不像美国人啊。
‛‚这个咱俩以后再谈。
‛于是他们两个都不说话了,直到露特把车开上山坡,穿越了施洛思山背后成荫的洼地然后重新驶入阳光。
新落成的住宅区顺着山坡一直延伸,哈特穆特看到了山墙的木脊,在那墙上,为庆乔迁而仓促挂上的冷杉木花环还在摇晃。
建筑工人被晒成了深棕色,手里拎着啤酒瓶晃晃悠悠地走向他们的卡车。
露特开车左拐上了一条建在山脊的道路。
也许是反感吧,从他的心底涌了上来;更强烈地,他感觉到了惊讶,他真的回来了。
违他所愿,违桑德琳所愿,去年的幻梦就这样尽数破灭。
他的妹妹停了车,用下巴示意给哈特穆特一处庭院,在那里他只识得一丛点缀着果实的野蔷薇与两株被修剪成绿锥形的冷杉树。
‚我们到了。
‛‚爸妈呢?‛‚爸爸还在厂里。
先喝点咖啡吧,我过会儿再去接他们。
‛哈特穆特点点头然后伸长了脖子想要透过灌木篱笆看到房子。
他的妹妹自然是给他往美国寄过照片的,他也曾绞尽了脑汁,想要趁着那些照片从书桌抽屉里消失之前,挤出几行赞美的话语。
此刻,他感到露特的视线就黏在他的后脑勺上,并且猜得出她接下来要说些什么。
‚加油吧,‛她说,‚那两位可是超级盼着你来呢。
‛‚哦。
‛‚你就一点也不高兴?‛临下车前他又一次转头。
‚你什么时候开始这么爱说‘超级’了?‛(……)【原文】1978"Endlich" sagt seine Schwester immer wieder, während sie nicht aufhören will, ihn zu drücken und zu herzen. Wie um einen Stein im Wasser fließt der Strom anderer Fahrgäste um sie beide herum, und er spürt Ruths feuchte Lippen auf seiner Wange. Eine warnende Ansage ertönt, die Waggontüren schließen sich wieder, und Hartmut will nach seinem Koffer greifen, aber Ruth hat immer noch die Arme um seinen Hals geschlungen. Wie damals beim Abschied, als er nicht aus-, sondern eingestiegen ist in den Zug nach Frankfurt. Jetzt allerdings weint seine Schwester nicht, sondern strahlt übers ganze Gesicht, trägt die Haare kurz, wie er es bereits auf den Fotos gesehen hat, und überrascht ihn trotzdem mit ihrem Aussehen."Endlich" sagt sie ein letztes Mal, bevor sie einander an den Schultern halten, in lachendem Erstaunen und der Verlegenheit eines Paares, das ohne Musik zu tanzen versucht. Obwohl ihr Gesicht immer noch voll und rundlich aussieht, ähnelt es nicht mehr dem Mauerblümchen seiner Erinnerung, sondern verbreitet zupackenden Optimismus, wie Hausfrauen in der Waschmittelwerbung, bloß echt."Du kriegst graue Haare." Ihr Zeigefinger deutet abwechselnd auf beide Schläfen.Das ist bei uns Philosophen so, liegt ihm auf der Zunge, eine Antwort wie mit einem Schild markiert: Was er früher gesagt hätte. Jetzt kann er nur lachen und mit den Schultern zucken. Eine angenehme Nervosität macht sich in ihm breit, die ans Licht gezerrte Form jener trägen Verträumtheit, mit der e r sieben Stunden lang aus dem Zugfenster geschaut hat: auf eine meistens verborgene, sich allenfalls in flachen Ortschaften am Horizont formierende DDR. Um sie herum wird der Bahnsteig leer. An der Grenze ist alles gut gegangen, will er sagen, aber danach fragt Ruth gar nicht, sondern hakt sich bei ihm unter und zieht ihn mit."Los! Ich steh im Halteverbot. Ich war mal wieder viel zu spät." Gut gelaunt dirigiert sie ihn eine Treppe hinab und wieder hinauf in die nach Urin riechende Bahnhofshalle. Tauben ho cken auf der Balustrade über dem Ein- und Ausgang. "Gerade als ich losfahren wollte, brauchte Florian ein Pflaster. Und wenn der eine ein Pflaster bekommt, will der andere natürlich auch eins.""Haben die beiden eine Idee, wer ich bin?""Jede Menge Ideen, sieh dich vor. Sie sind wahnsinnig gespannt. Da du trotz mehrmaliger Aufforderung kein Foto geschickt hast, erwarten sie allerdings einen dunkelhaarigen Onkel. Sag, wann hat das angefangen?"Ruths Käfer steht auf dem Bordstein vor dem Taxistand und erre gt die missmutige Aufmerksamkeit einiger Fahrer. Die Brücke der Stadtautobahn, an die Hartmut sich als eingerüstete Baustelle erinnert, blockiert in massiver Hässlichkeit den Blick auf die Stadt. Der Marburger Bahnhof steht, wo die auf ihn zulaufende Straße rechtwinklig abknickt und die Pendler hinaus in die Dörfer leitet. Alles wirkt vertraut und gleichzeitig neu, aber Ruth lässt ihm keine Zeit für erinnerungsschwangere Betrachtungen, sondern klappt ihren Sitz nach vorne und nickt zufrieden, als er sein ei nziges Gepäckstück auf die Rückbank wuchtet. In dem Arnau, das er kennt, würde ihr kurzer Rock als Verstoß gegen sämtliche Anstandsgebote gelten, denen eine junge Mutter zu gehorchen hat. Außerdem trägt sie unscheinbare Halbschuhe und eine rote Bluse mit w eitem Kragen. Ihre Brüste sind größer geworden, aber ihr Verhalten lässt nicht erkennen, ob sie weiß, wie sehr ihre Veränderung ihn erstaunen muss. Lediglich die riesige Sonnenbrille, die sie hinter dem Steuer aufsetzt, scheint ihr einen ironischen Kommentar zu erfordern."Heiner sagt, ich sehe aus wie eine Stubenfliege mit dem Ding. Was meinst du?" Ohne auf eine Antwort zu warten, schaltet sie energisch, drängt sich in den Verkehr auf der Bahnhofsstraße und lenkt den Wagen aus der Stadt hinaus.Auf sein Geständnis, kein Geschenk für ihre Söhne mitgebracht zu haben, reagiert sie mit wortlosem Nicken. Warme Luft streicht durch die offenen Fenster hinein, und als Ruth beschleunigt, befällt ihn das merkwürdige Gefühl, in den Sog eines Trichters zu geraten. Wa s fünf Jahre lang lediglich Erinnerung war, nimmt die vertraute Gestalt von Fachwerkhäusern und breiten Ortsdurchfahrten an, wird zu einem Panorama aus sorgfältig gestalteten Vorgärten, Jägerzäunen und pittoresken Kirchturmspitzen. Die Bundesstraße verläuft rechts der Lahn zwischen sonnigen Feldern und Hügeln, durch ein Abziehbild ländlicher Idylle, das er mit einem Blick wiedererkennt und weniger abstoßend findet, als er erwartet hat."Hartmut schweigt" sagt Ruth."Ist ein komisches Gefühl, nach so vielen Jahren." Er streckt einen Arm nach draußenund spürt den Fahrtwind in der Handfläche. "Du hast nie daran gedacht hier wegzuziehen?""Wir haben ein Haus gekauft. Heiner hat seine Stelle hier.""Davor. Grundsätzlich.""Es gab die Überlegung, für eine Zeit ins Ausland zu gehen, an eine deutsche Schule. Aber dann kam das Angebot mit dem Haus und seitdem..." Sie zuckt mit den Schultern. "Es ist schön, ein eigenes Haus zu haben. Auch wenn unseres vorläufig eine Baustelle bleibt.""Verstehe.""Außerdem war ich nie wie du. So unzufrieden und wütend auf alles."In einem Eiscafé neben der Straße herrscht reger Betrieb, Kinderwagen undFahrräder stehen um eine Ansammlung bunter Sonnenschirme. Rialto nennt sich der Laden. Offenbar leben auch auf dem Land nicht mehr nur Einheimische. Die Wut, denkt er und hört Kinderstimmen, die im Vorbeifahren an sein Ohr dringen. Was ist eigentlich mit seiner Wut passiert in den Jahren in Amerika?"Und du?" fragt Ruth. "Hattest du nie Heimweh?""Heimweh wonach?""Nun, wie der Name schon sagt." Sie wirft ihm einen Blick zu, wie um vor demnächsten Satz das Gelände zu sondieren. "Anders als unsere Eltern habe ich übrigens nie geglaubt, dass du deine Tage ausschließlich in Hörsälen und Bibliothe ken verbringst. Sag schon. Wie heißt sie?"Unwillkürlich wendet er das Gesicht nach rechts, wo der Waldrand wie ein grünes Band in ihm vorbeizieht."Sandrine.""Klingt nicht amerikanisch.""Wir reden ein andermal darüber."Danach schweigen sie, bis Ruth den Wagen bergan lenkt, durch die schattige Senke hinter dem Schlossberg und wieder hinein ins Sonnenlicht. Ein Neubaugebiet ziehtsich den Hang entlang, Hartmut sieht hölzerne Giebelfirste, von denen die Tannenkränze kürzlich gefeierter Richtfeste baum eln. Braun gebrannte Bauarbeiter trotten mit Bierflachen in der Hand zu ihren Fahrzeugen. Ruth biegt links ab in die zuoberst in den Hang gebaute Straße. Vielleicht ist das Widerwillen, was in ihm aufkommt; stärker empfindet er das Erstaunen, tatsächlich zurückgekehrt zu sein. Gegen seinen Willen, gegen Sandrines Willen, alle Träumen der letzten Jahre einfach beendend.Seine Schwester lässt den Wagen ausrollen und deutet mit dem Kinn auf ein Grundstück, von dem nur eine dichte Hagebuttenhecke und die grüne n Kegel zweier Tannen zu erkennen sind."Da sind wir.""Unsere Eltern?"Vater ist noch in der Fabrik. Wir trinken Kaffee, und dann hol' ich sie."Hartmut nickt und versucht durch die Hecke hindurch etwas von dem Haus zu erspähen. Natürlich hat seine Sc hwester ihm Fotos nach Amerika geschickt, und er hat sich ein paar anerkennende Zeilen abgerungen, bevor die Bilder in seiner Schreibtischschublade verschwanden. Jetzt spürt er Ruths Blick am Hinterkopf und weiß, was sie als nächstes sagen wird."Bemüh di ch" sagt sie. "Die beiden freuen sich wahnsinnig auf dich." "Okay.""Freust du dich gar nicht?"Noch einmal wendet er den Kopf, bevor er aussteigt."Seit wann sagst du dauernd 'wahnsinnig'?"(...)。